Dr. Bernhard Lukas  
 

   

Tendovaginitis stenosans de Quervain

(Synonym: Einengung des 1. Strecksehnenfaches am Handgelenk)

 

Es handelt sich um eine Entzündung im 1. Strecksehnenfach auf der Daumenseite des Handgelenkes. In diesem Sehnenfach verlaufen die kurze Strecksehne und die lange Abspreizsehne des Daumens.

 

Ursache

Die Entzündung der Sehnenfächer ist häufig Folge ungewohnter oder übermäßiger Arbeitsbelastungen mit dem seitwärts abgespreizten Daumen. Am häufigsten sind Frauen im mittleren Alter betroffen.

 

Symptome

Es besteht ein Schmerz am Daumen, bei fast allen Bewegungen der Hand, z.B. Heben schwerer Gegenstände. In einigen Fällen lässt sich ein Reiben (Krepitatio) über der Sehnenscheide tasten.

 

Diagnose

Bei der klinischen Untersuchung lässt sich über dem 1. Strecksehnenfach ein Druckschmerz auslösen. Dieser Bezirk ist häufig massiv geschwollen, gelegentlich leicht überwärmt. Sehr zuverlässig als Provokationsmanöver ist der sogenannte Finkelsteintest. Dabei wird bei passiv gebeugten Daumen eine plötzliche ruckhafte Bewegung des Handgelenkes zur Elle hin vorgenommen. Dies führt zu einem stechenden Schmerz über dem 1. Strecksehnenfach. Gelegentlich kann durch eine Röntgenuntersuchung ein Knochensporn in Höhe des Sehnenfaches nachgewiesen werden. Die MRT, auf die im Regelfall verzichtet werden kann, bringt massives Entzündungsgewebe um die betroffenen Sehnen zur Darstellung.
Differentialdiagnostisch kommen kleine Ganglionzysten, die Daumensattelgelenksarthrose sowie die Arthrose des Handgelenkes in Betracht.

 

Therapie

Im Anfangsstadium kann ein konservativer Therapieversuch unternommen werden. Dieser beinhaltet eine Schienenruhigstellung des Daumens, die zeitlich limitiert sein sollte, die Gabe nicht steroidaler Antiphlogistika sowie die einmalige lokale Infiltration eines Kortisonpräparates in das Sehnenfach.

Bei Persistenz kann durch eine operative Behandlung rasche Schmerzfreiheit erreicht werden.

 

Operative Behandlung

Im Regelfall wird in dem ambulanten Eingriff unter Verwendung einer örtlichen Betäubung in Oberarmblutleere das 1. Strecksehnenfach gespalten. Besonders muss dabei beachtet werden, dass es als anatomische Variation zwei getrennte Sehnenfächer für die kurze Streck- und lange Abspreizsehne geben kann, die beide zu spalten sind. Zusätzlich wird das entzündlich veränderte Sehnengleitgewebe entfernt.

 

Komplikationen

Neben den üblichen Risiken eines operativen Eingriffes kann es insbesondere zu einer Verletzung des oberflächlichen Astes des Speichennerves kommen. Außerdem darüber hinaus ist gelegentlich mit einer überschießenden Narbenbildung zu rechnen.

 

Nachbehandlung

Nach der Operation wird das Handgelenk in einem Watteverband ruhig gestellt, wobei darauf zu achten ist, dass die Finger unmittelbar nach der Operation bewegt werden um Verklebungen der Sehnen zu verhindern.

Vollbelastung ist im Regelfall nach dem Fadenzug 14 Tage postoperativ möglich. Dauer der Arbeitsunfähigkeit in Abhängigkeit von der beruflichen Tätigkeit zwischen einem Tag und 14 Tagen.