Dr. Bernhard Lukas  
 

   

M. Sudeck / Sympathische Reflexdystrophie

 

 

Definition

Der Morbus Sudeck, also die Sudeck’sche Erkrankung, wird auch sympathische Reflexdystrophie genannt.
Betroffen sind Erwachsenen, vorwiegend Frauen, zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Häufig beträgt der Krankheitsverlauf mehrere Monate und nicht selten kommt es zu bleibenden Funktionsstörungen.

Auslöser kann eine Verletzung oder ein operativer Eingriff sein. Die Beschwerden sind durch eine Fehlregulation der sympathischen Reflexsituation gekennzeichnet, also eine Fehlregulation der Schmerzempfindung, der Schweißbildung, der Durchblutung und Wärmeregulation und des Haarwachstums an der betroffenen Hand.

 

Ursache

Schmerzauslösende Ereignisse, wie Verletzungen, auch kleinere Verletzungen, oder Operationen können zu dieser Erkrankung führen. Insbesondere starke Manipulationen an einer verletzen Hand oder Handgelenk, eine nicht ausreichende Schmerzmedikation oder unzureichende Betäubung bei Verletzungen oder Operationen und nicht ausreichende Schmerzmedikation in der Nachbehandlung nach einer Operation können das Auftreten einer Sudeck’ schen Erkrankung begünstigen. Dies gilt auch für zu enge, einschnürende Verbände oder Gipsverbände oder Ruhigstellungen in Fehlhaltung.

 

Klinik

Es treten vermehrte brennende Schmerzen, Schwellung, und Schweißneigung auf. Es kommt zu einer Bewegungseinschränkung, die über das übliche postoperative Ausmaß hinausgeht.
Das Auftreten der verschiedenen Beschwerden wird in 3 Stadien eingeteilt, ist aber uneinheitlich. Es können Symptome aus verschiedenen Stadien gleichzeitig bestehen oder auch nur einzelne der beschriebenen Symptome auftreten.

 

Stadien

  • Stadium 1: „Entzündung“

1-2 Monate; starker , brennender Schmerz, ödematöse Schwellung, Überwärmung, vermehrte Durchblutung und Schweißbildung. Bewegungseinschränkung auch an nicht betroffenen Fingern, Glanzhaut

 

  • Stadium 2: „Dystrophie“

3-6 Monate; chronische anhaltende Schwellung, kühle, blasse und minderdurchblutete Haut, Gelenkseinsteifung, im Röntgen fleckige Osteoporose.

 

  • Stadium 3: „Atrophie“

Chronisch; keine Schwellung mehr, blasse, atrophe Haut mit aufgehobener Fältelung, vermehrte Behaarung. Fixierte Bewegungseinschränkung, im Röntgen ausgedünnte Kortikalis

 

 

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand des klinischen Erscheinungsbildes durch die Untersuchung und ggf. im Röntgenbild gestellt (siehe Stadien).

 

 

Therapie


Intensive krankengymnastische und/oder ergotherapeutische Behandlung zur Verbesserung der Beweglichkeit. Dies sollte unter ausreichender Schmerzmedikation z.B. mit Nicht Steroidalen Antiphlogistika (z.B. Voltaren oder Ibuprofen) erfolgen. Kann ambulant keine ausreichende Schmerztherapie erreicht werden, ist unter Umständen eine stationäre Aufnahme zur Schmerztherapie mit einer Betäubung des Armes mittels Katheter und darunter intensiver Beübung erfolgen. Des weiteren intensive Lymphdrainage, Calcium hochdosiert, bei Knochenveränderungen im Röntgenbild im Sinne einer Knochendichteminderung auch Biphosphonate.

 

 

Prognose


Der therapeutische Verlauf kann sich sehr langwierig (Wochen/ Monate) gestalten, oft ist eine vollständige Beseitigung der Beschwerden nicht möglich. Je früher mit der Therapie begonnen wird und je intensiver die Beübung unter ausreichender Schmerztherapie durchgeführt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine Heilung.